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Was hinter Kinderängsten steckt

6. Kamingespräch an der Fachakademie


Ursachenforschung Das Kamingespräch, das Förderverein und Fachakademie jedes Jahr im Herbst gemeinsam veranstalten, war diesmal dem Thema „Angst bei unseren Kindern“ gewidmet. Diplompsychologe und Psychotherapeut Erich Schweiger, der auch als Dozent an der Fachakademie tätig ist,  gab  in einem Impulsvortrag Einblick in seine langjährige Praxiserfahrung und machte deutlich, was sich alles hinter einem „vordergründigen“ Angstsymptom bei Kindern verbergen kann.

Wenn etwa ein 10-jähriger Junge beim Gedanken an die Schule nicht aufhören könne zu weinen, sollten nicht sofort die Eltern oder auch die Schule in Verdacht geraten. Auch vorgelebte Rollenbilder in unserer Gesellschaft zeigten Wirkung bei Kindern: Weinen gelte als nicht „männlich“, Schwieriges ohne fremde Hilfe zu meistern finde oft mehr Beachtung als umgekehrt.

Diese Haltungen übernähmen auch schon Kinder,- gerade aber dies überfordere sie auf Dauer, was dann zu den unterschiedlichsten Angst-Symptomen führen könne. „Da braucht es dann jemanden, der versteht, was los ist, jedoch längst nicht immer einen Psychotherapeuten.“, so Schweiger. Vielmehr sollten Eltern und Erzieher dem Kind bei Schulängsten zeigen, dass nicht jeder alles können müsse und ein eventuelles Scheitern auch keine Katastrophe sei.

Gerade in einer Gesellschaft, in der es nicht „in“ sei, Angst oder gar Schwäche zu zeigen, sei es für Kinder besonders wichtig, Vorbild gebende Erwachsene zu erleben, die sich ihren eigenen Ängsten stellten und erlebbar machten, wie damit umgegangen werden könne. Reifungsschritte wie der Eintritt in die Kinderkrippe, den Kindergarten oder die Schule seien immer auch Angst auslösend, sie seien aber wichtige Stationen auf dem Weg ins Leben. Bei all dem sei wichtig, dass Eltern ihre Kinder spüren ließen, auch in ihrer Angst verstanden zu werden. Besser wie gut gemeinte Ratschläge oder das Wegreden von Angst sei es, dem Kind zu signalisieren: Was brauchst du von mir? Was kann ich tun, dass es dir besser geht? Feinfühlige Gesten seien hier häufig wirksamer als viele gutmeinende Worte.

Angst sei eine „Maske“, hinter der sich die eigentliche Ursache der Angst verberge. So könne hinter der scheinbar grundlosen Verlustangst eines Siebenjährigen vielleicht auch die unbewusste Frage stehen: Darf ich eigenständig sein, mich ablösen von Dir, Mutter? Kannst Du mich denn loslassen?  Hier bräuchten Eltern oft den Rat erfahrener Pädagogen, manchmal auch einen guten Psychotherapeuten, der helfe, das Kind insgesamt in den Blick zu nehmen und nicht nur auf das Symptom zu starren. Vielfach verliere sich die Angst auch von selbst, wenn das Kind erlebe: ich darf Angst haben, ich bin aufgehoben, egal, was geschieht.

Im Anschluss an den Impulsvortrag nutzten viele der anwesenden Erzieherinnen die Gelegenheit, zu Fällen in der Praxis  Fragen zu stellen und Rat einzuholen.


Autor: Rosmarie Fechter | Datum: 20.10.2015