Alle Nachrichten aus der Fachakademie

60 Jahre Fachakademie Seligenthal

Die Fachakademie für Sozialpädagogik Seligenthal hat am Donnerstag mit einem Dankgottesdienst in der Abteikirche und einem anschließenden Festakt in der Mehrzweckhalle der Schulstiftung Seligenthal ihr 60-jähriges Bestehen gefeiert.


Äbtissin M. Petra Articus bei ihrer Festansprache

Seit ihrer Gründung im Jahr 1956 - damals unter dem Namen "Katholisches Seminar für Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen und Heimerzieherinnen" firmierend - hat die Faks laut Schulleiter Dr. Stefan Brembeck mehr als 3000 junge Leute ausgebildet. "Unsere Fachakademie steht auch mit nun 60 Jahren in voller Blüte", sagte stellvertretende Schulleiterin Sabine Meyer in ihrer Begrüßung. Das Einzugsgebiet umfasst demnach mittlerweile den gesamten Freistaat - "von Augsburg im Westen bis Freyung im Osten, von Berchtesgaden im Süden bis Hof im Norden", wie es Meyer ausdrückte. Sie wertete das nicht zuletzt als Bestätigung für die Arbeit, die in Seligenthal auf diesem Gebiet geleistet wird: "Die Ausbildung an der Fachakademie ist längst eine Marke und genießt weithin einen guten Ruf." Als Festrednerin nahm Äbtissin M. Petra Articus die Gäste mit auf eine Zeitreise durch sechs Jahrzehnte Fachakademie Seligenthal. Ihr Rückblick hatte stets eine sehr persönliche Note, denn Articus ist der Faks seit einem halben Jahrhundert in verschiedensten Funktionen eng verbunden. "Meine Ausbildung zur Erzieherin habe ich hier gemacht. Dann war ich als Lehrerin an der Fachakademie tätig und drei Jahre lang Schulleiterin." Heute ist Articus Vorsitzende des Stiftungsrats der Schulstiftung Seligenthal - und damit Trägerin auch der Fachakademie. In dieser Funktion kümmert sie sich nicht zuletzt um eine gute finanzielle Ausstattung der Faks. "Wir Schwestern beten nicht nur für die Fachakademie, sondern geben alles, was wir erarbeiten, in unsere Schulen", sagte sie unter dem Applaus der Besucher. Gleichzeitig leiste auch die Katholische Kirche einen wichtigen Beitrag: "Das dennoch anfallende Defizit wird von der Diözese Regensburg ausgeglichen." Äbtissin blickt auf eigene Ausbildungszeit zurück Besonders beeindruckend war für die Gäste, darunter viele Studierende der Fachakademie, die Rückschau der Äbtissin auf die eigene Ausbildungszeit. "Von den Schulabschlüssen her waren wir damals bunt gemischt", sagte sie. Abiturientinnen und mussten vorab noch eine besondere Klippe umschiffen: eine Kochprüfung. "Wer die nicht bestand, durfte zwar bleiben, musste aber einmal pro Woche in der Schulküche praktizieren." Generell habe ihr die vom christlichen Menschenbild geprägte Ausbildung an der Faks viel Freude gemacht. "Stress hatten wir damals nicht. Vielleicht auch deshalb, weil wir das Wort noch nicht kannten", sagte Articus lachend. Der Kindergartenalltag der späten 60er Jahre unterschied sich offenbar erheblich von dem, was Eltern heute gewöhnt sind. "Damals gab es in Landshut nur drei Kindergärten, die für unsere Ausbildung zur Verfügung standen", erinnerte sich Articus. Für Praktika sei man deswegen häufig in den Landkreis ausgewichen. Auch die Arbeit in den Kindergärten sei völlig anders gewesen: "Da waren durchaus bis zu 60 Kinder mit nur einer Erzieherin in einer Gruppe." Das heute übliche sogenannte Raumteilverfahren, das Kindern unterschiedliche Spielmöglichkeiten bietet, sei ebenfalls noch weithin unbekannt gewesen, so Articus. Und: Brotzeit mussten die Kinder damals alle zur gleichen Zeit halten. "Selbstverständlich schweigend, weil der Lärmpegel in so großen Gruppen sonst gar nicht auszuhalten gewesen wäre." "Ich bin mit der heutigen Ausrichtung sehr glücklich" Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte änderte sich aufgrund des gesellschaftlichen Wandels natürlich auch die Ausbildung an der Faks. Den alten Zeiten hinterhertrauern will Articus indes nicht. Im Gegenteil: "Ich bin sehr glücklich mit der heutigen Ausrichtung unserer Fachakademie", betonte sie. Exemplarisch nannte die Äbtissin das "Seligenthaler Modell", das Berufstätigen eine berufsbegleitende Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher ermöglicht. Am wichtigsten aber sei ihr folgender Grundsatz der Faks, so Articus: "Jeder und jede Studierende wird als einmalige Persönlichkeit gesehen." Dass sich die - noch immer ganz überwiegend weiblichen - Studierenden an "ihrer Faks" wohl fühlen, wurde bei dem zweistündigen Festakt mehrfach deutlich. Denn zusammen mit ihren Dozenten hatten sie für das Jubiläum ihre ganz eigenen Geschenke vorbereitet, die auf der Bühne präsentiert wurden. So wurde ein Wachstums-Elixier gebraut, ein verzaubertes Lachen eingefangen und ein Puppentheater veranstaltet, in dem auf sehr humorvolle Weise Glückwünsche aus aller Welt überbracht wurden. In die Schar der Gratulanten reihte sich auch Prof. Dr. Helga Schneider von der Katholischen Stiftungsfachhochschule München ein. Sie sprach in ihrem Fachvortrag zum Thema "Pädagogik im Kontext: Bildung und Erziehung für ein Leben in der Globalität". Dass diese längst zur Realität gewordene und durch den Flüchtlingszustrom noch einmal verstärkte Globalisierung nicht zuletzt für die Erzieher und damit auch für seine Fachakademie zusätzliche Herausforderungen bedeutet, bestätigte Dr. Stefan Brembeck. Mittlerweile fordere der Lehrplan von den Studierenden "mehr als 1000 verschiedene Kompetenzen in sechs Lernfeldern". Dabei dürfe man allerdings nicht vergessen, dass der Umgang mit Menschen nicht ebenso erlernt werden könne wie der mit einer Ware. "Das Gespür für den Mitmenschen kann auch der beste Lehrplan nicht vermitteln", so Brembeck. "Dafür muss man einfach viel selbst mitbringen und immer daran arbeiten."


Autor: Johannes Viertlböck | Datum: 14.05.2016