Alle Nachrichten aus der Fachakademie

Was denn noch alles?!

Professionalität und Humanität in einer bewegten Zeit


Kamingespräch „Kultursensitive Pädagogik, interreligiöse Bildung und Erziehung, Genderpädagogik, Sprachförderung.., ja was denn noch alles..?“ lautete der Titel des diesjährigen Kamingespräches an der Fachakademie. Der Verein der Freunde und Förderer der Fachakademie konnte als Referentin in diesem Jahr Frau Eden Iyob gewinnen. Frau Iyob, gebürtige Eritreerin, leitet als Erzieherin eine Kinderkrippe in München und ist durch ihre tägliche Arbeit mit kultursensitiver Pädagogik vertraut. Außerdem ist sie als Fortbildungsreferentin zu interkulturellen Themen tätig.

Frau Iyop forderte dazu auf, das Kind in seinem ganz individuellem Da-sein und So-sein zu sehen, um zu erkennen, was es „brauche“. Das erfordere ein waches und sensibles Hinsehen, sowohl auf die Gruppe als auch auf das einzelne Kind. Und da sei es erst einmal egal, ob das Kind deutscher Abstammung sei oder einen Migrationshintergrund habe. Es dürfe kein „Allen-das-Gleiche“-Prinzip geben, jedoch sollen alle die gleiche Wertschätzung erfahren und die gleichen Chancen erhalten.

Natürlich sei Wissen über den familiären und kulturellen Hintergrund von Kindern aus Flüchtlings-und Asylantenfamilien, wie generell aus anderen Kulturkreisen, nötig. So sind z.B. Mutter-Kind-Beziehungen in manchen afrikanischen Kulturen symbiotischer als wir sie bei uns kennen. Und wenn ein Kind aus einer Asylantenfamilie im abgedunkelten Schlafraum zu weinen anfange und sich nicht beruhigen lasse, dann helfe es wenig, das Kind mit gutem Zureden dort „hingewöhnen“ zu wollen und darauf zu bestehen (weil eben der Schlafraum dazu da sei), denn es sei möglich, dass das Kind aufgrund seiner „Vorgeschichte“, die Dunkelheit (ohne Eltern) als Bedrohung erlebe.

Generell plädierte die Referentin für einen flexibleren pädagogischen Ansatz, eine Art „Vielfalt auf gemeinsamer Grundlage“. Integration heißt für Frau Iyob aber nicht, Flüchtlingskinder „extra anders“ zu behandeln. Wenn eine Kindergruppe schon eine positive soziale Formung habe und der Tagesablauf eine kindorientierte Struktur, können Migrantenkinder da gut „hineinwachsen“, - auch wenn im Detail gewisse „Besonderheiten“ zu berücksichtigen seien.

In der lebhaften Diskussion im Anschluss tauschte man sich über die unterschiedlichen Erfahrungen und Informationen pädagogischer Einrichtungen aus.


Autor: Rosmarie Fechter | Datum: 10.01.2017