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Kamingespräch

Ein neuer Weg in der Pädagogik: das philosophische Gespräch


24. Oktober 2017 „Man muss nicht Philosophie studiert haben, um philosophieren zu können“, so ein Hinweis auf dem Programmflyer zum diesjährigen Kamingespräch des Fördervereins, das in diesem Jahr dem philosophischen Gespräch mit Kindern gewidmet war. Mit Christian Föckersperger, dem Leiter des Hortes palladi in Landshut,  hatte man einen erfahrenen Vollblut-Pädagogen als Referenten gewonnen,  der die zahlreichen Gäste gleich zu Beginn mit ins Gespräch holte und mit großer Leidenschaft für das Philosophieren mit Kindern warb.

Philosophieren sei eine aktive und gewinnbringende „Gehirnarbeit“ und schon ab dem Kindergartenalter möglich, betonte Föckersperger. Kinder könnten sogar über das Höhlenbeispiel Platons gemeinsam „laut nachdenken“ und so Platon auf die Spur kommen, wenn ihnen durch entsprechende Fragen und Impulse der gedankliche Weg dazu eröffnet werde. Vor allem aber wenn sie die Möglichkeit erhielten, sich ohne inhaltliche Beschränkungen und Bewertungen zu äußern, um so im freien Gedanken-und Meinungsaustausch zu neuen Fragen und Einsichten zu gelangen. Die Kinder selbst bestimmten dabei weitgehend Inhalt, Richtung und Verlauf des philosophischen Gesprächs. Die Rolle des Erziehers hingegen sei eine begleitende, er ermögliche es der Gruppe, zu einem bestimmten Thema untereinander bzw. miteinander in einen offenen Dialog zu treten.

Doch bis dahin sei es aber meist ein längerer Weg.  Kinder müssten erst lernen, sich gegenseitig ausreden zu lassen und dabei wirklich zuzuhören, andere Meinungen gelten zu lassen bzw. auszuhalten. Anders als beim „bloßen“ Diskutieren gehe es beim Philosophieren nicht darum, das Gegenüber von der eigenen Idee oder Meinung zu überzeugen, sondern eher um eine gemeinsame Suche nach Wahrheit, die hier subjektiv und partiell zu verstehen sei. Jeder Mensch sei  biographisch, kulturell und weltanschaulich vorgeprägt. Wer philosophieren wolle, müsse sein bisheriges Weltbild und seine gelernten „Glaubenssätze“ in Frage stellen können. Dies sei auch ein gutes Training für ein offeneres, toleranteres und authentischeres Kommunizieren überhaupt, denn ohne inhaltliche Einschränkungen „laut denken“ zu dürfen, sei ja heute gar nicht mehr so selbstverständlich, so Föckersperger.

Immer aber sei es spannend, mit Kindern zu philosophieren, denn Kinder dächten oft in ganz anderen Zusammenhängen als Erwachsene. Da sie konventionell noch nicht so vorgeprägt seien, kämen sie auch eher zu neuen, unüblichen Schlussfolgerungen - und da könnten Erwachsene von den Kindern lernen.

 

 


Autor: Rosemarie Fechter | Datum: 01.12.2017