Erzieher-/in werden

Reguläre Ausbildung

Sozialpädagogisches Seminar

Das Sozialpädagogische Seminar (SPS) ist die berufliche Vorbildung für die Erzieher-/innen-Ausbildung. Die Voraussetzung, um in das SPS aufgenommen zu werden, ist mindestens ein Mittlerer Bildungsabschluss.

Das SPS dauert zwei Jahre. Es kann unter bestimmten Voraussetzungen, wie z.B. (Fach-)Abitur, abgeschlossene Berufsausbildung u.a., in einem Jahr absolviert werden.

Die Erzieherpraktikant-/innen arbeiten an vier Tagen pro Woche in sozialpädagogischen Einrichtungen. In der Regel findet jeweils am Mittwoch von 8.00 - 15.15 Uhr bzw. 17.00 Uhr ein Seminartag an der Fachakademie statt. Dazu kommen noch mindestens zwei Blockwochen im Schuljahr, an denen zusammenhängender Unterricht in den Fächern Pädagogik/Psychologie, Deutsch und Kommunikation, Englisch, Recht und Verwaltung, Musische Gestaltung und Bewegungserziehung, Ökologie und Gesundheit, Religionspädagogik und ethische Erziehung und Praxis- und Methodenlehre stattfindet. 

Mögliche Praxisstellen sind im ersten Jahr des SPS Kindergärten, im zweiten Jahr kann aus allen anderen sozialpädagogischen Arbeitsfeldern (Krippe, Hort, stationäre Jugendhilfe, Jugendarbeit und heilpädagogische Einrichtungen) gewählt werden.

Die Arbeit sollte im ersten Jahr mit mindestens 450.-€, im zweiten Jahr mit mindestens 500.-€ vergütet werden. Darüberhinaus zahlen viele Träger deutlich mehr (z.B. die Erzdiözese München/Freising).

Am Ende des zweiten Ausbildungsjahres muss eine praktische Prüfung sowie schriftliche Prüfungen in den Fächern Pädagogik/ Psychologie und Deutsch absolviert werden.

Die Ausbildung wird mit dem Berufsabschluss „Staatlich geprüfte/r Kinderpfleger-/in“
abgeschlossen. Er ist Voraussetzung für den weiteren Besuch der Fachakademie.

Vollzeitausbildung

Die Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher befähigt dazu, in Tageseinrichtungen für Kinder, Heimen, Einrichtungen der Jugendarbeit sowie in anderen sozialpädagogischen Bereichen selbstständig tätig zu sein.

Um diese Ausbildung beginnen zu können, benötigt man neben dem Mittleren Bildungsabschluss eine entsprechende berufliche Vorbildung, wie z.B. den Abschluss der „Staatlich geprüften Kinderpflegerin“, des „Staatlich geprüften Kinderpflegers" oder einen gleichwertigen Abschluss.

Der theoretische Teil der Erzieherausbildung dauert zwei Jahre und ist als Vollzeitunterricht, der von Montag bis Freitag zwischen 8.00 - 17.00 Uhr stattfinden kann, konzipiert. Unterricht wird in den Fächern Pädagogik/Psychologie/Heilpädagogik, Sozialkunde/Soziologie, Mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung, Ökologie/Gesundheitspädagogik, Recht und Organisation, Literatur- und Medienpädagogik, Englisch, Deutsch, Theologie/Religionspädagogik, Praxis- und Methodenlehre mit Gesprächsführung, Kunst- und Werkpädagogik, Musik- und Bewegungspädagogik erteilt. Hinzu kommen Übungen zu sozialpädagogischen Arbeitsfeldern.

Einen ganz wesentlichen Teil der Ausbildung nimmt die Sozialpädagogische Praxis in Form verschiedener Praktika ein, die größtenteils unterrichtsbegleitend am Mittwoch stattfinden. Am Ende des ersten Jahres der Vollzeitausbildung steht das fünfwöchige Blockpraktikum, das man auch im Ausland absolvieren kann.

Die Vollzeitausbildung wird am Ende des zweiten Jahres mit dem ersten Prüfungsabschnitt beendet. Hier sind schriftliche Prüfungen in Pädagogik/Psychologie/Heilpädagogik und in Literatur- und Medienpädagogik oder Theologie/ Religionspädagogik sowie eine mündliche Prüfung in Praxis- und Methodenlehre mit Gesprächsführung zu absolvieren. Das Bestehen des ersten Prüfungsabschnittes ist die Voraussetzung zur Zulassung zum Berufspraktikum.

Berufspraktikum

Das Berufspraktikum findet im dritten und letzten Jahr der Vollzeitausbildung statt. Es soll die Ausbildung abrunden, indem die Berufspraktikant-/innen ihre theoretischen Kenntnisse und praktischen Fertigkeiten selbstverantwortlich in der Praxis anwenden und erweitern lernen. Dazu werden sie durch die enge Zusammenarbeit von Praxisstelle und Fachakademie fachgerecht in die Berufspraxis eingeführt. Berichte, Visitationen, Beurteilungen und Facharbeit dokumentieren diesen Prozess.

Die Tätigkeit im Berufspraktikum wird tariflich vergütet (derzeit ca. 1600.-€).

Insgesamt besuchen die Berufspraktikant-/innen an 16 Seminartagen mit insgesamt 160 Stunden Unterricht die Fachakademie. Zentral ist die Kleingruppenarbeit in arbeitsfeldspezifischen Reflexionsgruppen sowie der Unterricht im Fach Recht und Organisation.

Die Ausbildung endet mit Bestehen des zweiten Prüfungsabschnittes, der eine umfangreiche praktische Prüfung sowie ein 30minütiges Kolloquium umfasst. Dann steht der Urkundenverleihung zur "Staatlich anerkannten Erzieherin"/zum "Staatlich anerkannten Erzieher" nichts mehr im Weg.

Berufsbegleitende Ausbildung ("Seligenthaler Modell")

Prüfungsvorbereitung

Das SeligenthalerModell IQ ist ein Kursangebot der Fachakademie für Sozialpädagogik zur intensiven Qualifizierung (IQ) zur Erzieherin/zum Erzieher. Die rechtliche Grundlage für dieses Modell findet sich in den §§ 63-65 der FakO (Fachakademieordnung).

Der Kurs umfasst ca. 300 Unterrichtsstunden, die im Zeitraum von September bis März an ca. 30 Samstagen stattfinden. Ergänzend zum Präsenzunterricht wird über das E-Learning-Portal "itslearning" das Selbststudium begleitet. Lokale Lernpartnerschaften und ein wöchentlich stattfindendes Repertorium bearbeiten Inhalte intensiv nach.

Der Kurs bereitet inhaltlich auf die Fächer Pädagogik/Psychologie/Heilpädagogik, Sozialkunde/Soziologie, Mathemathisch-naturwissenschaftliche Bildung, Ökologie/Gesundheitspädagogik, Recht und Organisation, Literatur- und Medienpädagogik, Deutsch, Theologie/Religionspädagogik (kath.), Praxis- und Methodenlehre mit Gesprächsführung, Kunst- und Werkpädagogik, Musik- und Bewegungspädagogik vor.

Prüfungsphase

Auf Antrag können die Teilnehmer-/innen am Seligenthaler Modell die Abschlussprüfungen für andere Bewerberinnen und Bewerber absolvieren. Der Prüfungszeitraum beginnt am 1. März und endet in der Regel Anfang Juli.

Die Prüfungen in den Fächern Pädagogik/Psychologie/Heilpädagogik, Sozialkunde/Soziologie, Mathemathisch-naturwissenschaftliche Bildung, Ökologie/Gesundheitspädagogik, Recht und Organisation, Literatur- und Medienpädagogik, Deutsch, Theologie/Religionspädagogik (kath.), Praxis- und Methodenlehre mit Gesprächsführung, Kunst- und Werkpädagogik, Musik- und Bewegungspädagogik werden von der Fachakademie für Sozialpädagogik Seligenthal in Form schriftlicher, mündlicher und praktischer Prüfungen abgenommen.

Wenn alle Prüfungen absolviert und bestanden sind, erhalten die Teilnehmer-/innen ein Zeugnis, das den bestandenen ersten Prüfungsabschnitt bestätigt. Damit sind sie zum einjährigen Berufspraktikum zugelassen.

Berufspraktikum

Nach den erfolgreich abgelegten Prüfungen wird man zum Berufspraktikum zugelassen. Es ist für alle verpflichtend, die die Ausbildung zur Erzieherin abschließen wollen. Das Berufspraktikum ist identisch mit dem der regulären Ausbildung. Nach dem erfolgreich absolvierten Berufspraktikum wird der Abschluss "Staatlich anerkannte/r Erzieher/in" verliehen.
Das Berufspraktikum ist kein Bestandteil des SeligenthalerModells IQ, es kann aber auf Antrag an der Fachakademie Seligenthal absolviert werden.

Zulassungsvoraussetzungen, Kosten

Bewerberinnen und Bewerber benötigen:

  • den mittleren Bildungsabschluss
  • den erfolgreichen Abschluss einer beruflichen Erstausbildung und/oder mindestens ein minderjähriges Kind mit mindestens 4-jähriger Haushaltsführung
  • den Nachweis einer mindestens sechsmonatigen Tätigkeit in einer sozialpädagogischen Einrichtung (Personen, die keine sozialpädagogische Vorerfahrung als Kinderpfleger/in o.ä. haben, müssen drei Monate ihres Praktikums in einem Regelkindergarten absolvieren. Die für das Praktikum aufzuwendende Gesamtstundenzahl beträgt mindestens 720 Stunden.)
  • das Mindestalter von 25 Jahren

Die Bewerbung für den Lehrgang erfolgt schriftlich und muss folgende Unterlagen enthalten:

  • ein ausführliches Bewerbungsschreiben mit Angabe einer gültigen E-Mail-Adresse
  • ein Motivationsschreiben (eine Seite)
  • einen tabellarischen Lebenslauf
  • Nachweise über schulische und berufliche Vorbildung in begl. Abschrift
  • ein qualifiziertes Arbeitszeugnis über die sechsmonatige Tätigkeit in einer sozialpädagogischen Einrichtung muss nach Ableistung nachgereicht werden.

Die Kosten für den Lehrgang für das Kursjahr 2019/20 betragen 2700.- €.


Theorie und Praxis

Was die Erzieherausbildung so reizvoll macht, ist das enge Zusammenspiel von Theorie und Praxis. Es ermöglicht im besten Sinne lebendiges Lernen (nach Ruth Cohn). Das geschieht an unserer Fachakademie in vielfältiger Weise durch die begleiteten Praktika und die fachliche Reflexion der verschiedenen Erfahrungen in den Unterrichtsfächern.


Mögliche Abschlüsse

Wenn Sie staatlich anerkannte Erzieher-/innen sind, haben Sie viele interessante Möglichkeiten, Ihr berufliches Leben zu gestalten:

  • Sie können in den unterschiedlichsten sozialpädagogischen Arbeitsfeldern tätig sein und haben hervorragende Arbeitsmarktbedingungen.
  • Sie haben die Möglichkeit, bestimmte Studiengänge an Fachhochschulen zu studieren. Dazu müssen Sie die Ergänzungsprüfung im Fach Englisch ablegen. Wer die allgemeine Fachhochschulreife erlangen will, benötigt neben der Ergänzungsprüfung im Fach Englisch auch das erfolgreich belegte Zusatzfach Mathematik.
  • Sie können bei einer Prüfungsgesamtnote „sehr gut“ bestimmte Studiengänge an bayerischen Universitäten belegen.
  • Sie haben darüberhinaus aufgrund Ihres "Meisterstatus" die Möglichkeit an Universitäten bestimmte Studiengänge zu belegen.